Lambert Heller: Open Access als Chance für eine neue Wissenschaftskultur

13 04 2011

Wer gelegentlich mit einer Websuchmaschine wie Google nach einem Aufsatz sucht, kennt das frustrierende Erlebnis: Da habe ich etwas im Netz gefunden — komme aber nicht dran, ohne es per Kreditkarte zu bezahlen. Die meisten Wissenschaftler und Studierende wissen zwar, dass in solchen Fällen fast immer die Bibliothek hilft (sie hat entweder eine Lizenz, mit der man — ohne Kreditkarte — direkten Zugriff bekommt, oder holt den Artikel via Lieferservice), aber schöner wär’s natürlich, wenn all diese digitalen und digitalisierten Dinge einfach, sofort da wären. Schließlich will man in vieles, sehr vieles, nur mal einen Blick hineinwerfen — und wenn es wirklich interessant ist, es rasch per Copy-and-Paste übernehmen. Nie wäre das einfacher als im heutigen Webzeitalter, wenn die vielen digitalen Veröffentlichungen denn auch frei zugänglich wären…

Aus der Sicht einer Forscherin oder auch eines Absolventen stellt es sich ähnlich dar. Mag die eigene Publikation noch so spezialisiert sei: Irgendwo da draussen, bei einem potentiellen Kooperationspartner im Fachbereich nebenan, bei einer Wissenschaftsjournalistin, bei einem potentiellen Arbeitgeber… wird sie ihre Adressaten finden. Vorausgesetzt, sie ist gut zu finden und gut zugänglich — nach den Maßstäben des Webs, versteht sich.

Kein Wunder, daß der Anteil frei zugänglicher Publikationen (Open Access) am weltweiten wissenschaftlichen Publikationsaufkommen seit Jahren dramatisch steigt. Doch bei den Forschenden und Lehrenden bleiben viele Fragen, z.B. wie man Open Access mit dem Publizieren in einem renommierten Verlag unter ein Dach bekommt. Im Panel „Lernen mit digitalen Medien“ will ich auf einige dieser Fragen eingehen. Last not least soll es um die vielen existierenden und geplanten Angebote von Universität und Bibliothek in diesem Bereich gehen.